Interview Dorf.tv

http://dorftv.at/videos/hoerensagen/9254

In der neuen Ausgabe von Hörensagen wird der Schriftsteller Michal Hvorecký bei Norbert Trawöger zu Gast sein. Der slowakische Autor ist im April und Mai dieses Jahres der erste Welser Stadtschreiber. Über seine Affinität zum Klang, seine Beziehungen zur Musik, sein Leben (als Schriftsteller) in Bratislava und anderswo, und vieles andere mehr wird Michal Hvorecký mit Norbert Trawöger im Gespräch sein.

Lesungen in Wels und Linz

21. Mai 2014, Wels, Schlachthof, mit Michael Stavarič, 19:30

22. Mai 2014, Linz, StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 12:30 Uhr
Es wird serviert: Selchsuppe mit Reibgerstl

Welser Stadtschreiber hält Spiegel vor

Der slowakische Autor Michal Hvorecky hat schon seine Wohnung in der Schmidtgasse mitten im Zentrum bezogen und wird ab April zwei Monate lang als erster Welser Stadtschreiber das Leben in der Stadt beleuchten. Der 37-jährige Schriftsteller wurde von der Jury einstimmig aus 26 Bewerbern ausgewählt und wird auch auf seinem Blog Beiträge veröffentlichen. Ein Interview für die OÖN.

michal hvorecky

“Mein Großvater war Zipser-Deutscher und hat besser Deutsch als Slowakisch gesprochen. Meine Familie mütterlicherseits hat die Sprache weiterhin gepflegt, auch als in den 50er Jahren Deutschunterricht verboten war. Der ORF war für mich Teil meiner Kindheit. Österreichische Medien waren für uns immer die Verbindung zum Westen. Über den deutschen Mauerfall haben wir beispielsweise über den Österreichischen Rundfunk erfahren.”

Im Literatur- und Theaterbetrieb funktioniert der kulturelle Austausch zwischen Österreich und der Slowakei leider schlecht, im Bereich der klassischen Musik wesentlich besser. Ich habe beispielsweise auch viel mehr Auftritte in Deutschland als in Österreich. Deshalb möchte ich auch literarische Begegnungsmöglichkeiten mit österreichischen Autoren schaffen.”

Schreibt und lest, so viel ihr könnt

Der slowakische Autor Michal Hvorecky brachte den Grundgedanken von Deutsch geht gut vor der Klasse 10 a der Realschule im Aurain auf den Punkt: “Wenn ihr in der Sprache des Landes, in dem ihr lebt, schreiben könnt, euch ausdrücken könnt, dann könnt ihr mitreden und sagen, was ihr wollt. Schreibt, so viel ihr könnt. Schreiben ist lebensnotwendig.”

Hvorecky ist einer von fünf Autoren nichtdeutscher Herkunft, die das Bietigheim-Bissinger Literaturprojekt derzeit in die Schulen bringen. Lesen Sie mehr.

michal hvorecky

Foto: Martin Kalb

Literaturszene in Tschechien und Slowakei

…In seiner Freizeit liest Jaroslav Rudiš selbst gern den slowakischen Schriftsteller Michal Hvorecky. Damit ist er eher eine Ausnahme. Mittlerweile müssen selbst slowakische Bücher ins Tschechische übersetzt werden, um bei den westlichen Nachbarn Leser zu finden.

«Früher waren beide Literaturen mit Sicherheit stärker verknüpft», meint Rudis. In beiden Ländern wird immer noch sehr viel gelesen, wenn auch weniger als früher. «Will man den Verlegern und Buchhändlern Glauben schenken, dann ist der Buchmarkt seit zwanzig Jahren in einer Krise», meint der Branchenexperte Bilek.

Für die slowakische Literatur sieht der 36-jährige Erfolgsautor Michal Hvorecky, dessen Romane auch auf Deutsch erschienen, keinen so dramatischen Einbruch. Nach einer jahrzehntelangen Dominanz tschechischer Autoren widme sich das Lesepublikum des Fünf-Millionen-Landes sogar mehr der eigenen Literatur.

In Deutschland ist gerade Hvorecky selbst der bekannteste slowakische Gegenwartsautor. In seinen Romanen verbindet er Groteskes mit realen gesellschaftlichen Erfahrungen seiner mitteleuropäischen Heimatregion. Wie sein tschechischer Kollege Rudis nimmt auch Hvorecky gesellschaftspolitisch Stellung. Als engagierter Kritiker autoritärer und minderheitenfeindlicher Tendenzen findet er auch in deutschsprachigen Zeitungen eine Plattform.

Ist die slowakische Literatur inzwischen eher abgekoppelt von der tschechischen oder gibt es noch immer eine starke Beeinflussung?

Hvorecky: Traditionell war die slowakische Literatur viel mehr von der tschechischen beeinflusst als umgekehrt. Bis heute gilt, dass ich in einer Prager Buchhandlung Bücher in zehn Sprachen kaufen kann, aber keinen slowakischen Roman – trotz mehr als 100 000 Slowaken, die dort studieren oder arbeiten. Paradoxerweise hat die Teilung des Landes dem slowakischen Buchmarkt geholfen – auch weil die tschechischen Bücher dadurch teurer wurden. Jetzt trennen sich die beiden Literaturen. Ich glaube sogar, dass die slowakische Szene lebendiger ist. Die tschechische Literatur ist in einer tiefen Krise gelandet. Ich merke das auch in Deutschland, wo der Boom der tschechischen Literatur schon lange vorbei ist. Doch die slowakische Literatur bleibt im Westen weiter ziemlich unbekannt.

Was ist typisch für die gegenwärtige slowakische Literaturszene?

Hvorecky: Inhaltlich, dass die Erzählung die beliebteste Form ist. Und organisatorisch, dass es viele kleine aktive Verleger und Verlegerinnen gibt und auch zum Beispiel bei Lesungen das Prinzip «Do it yourself» vorherrscht: Wenn ich auf eine Lesereise fahre will, organisiere ich sie selbst. In Deutschland würde sich ein großer Verlag darum kümmern.

Wie ist das Leseverhalten der slowakischen Leser und Leserinnen: Kommt slowakische Literatur bei ihnen an oder lesen sie eher ausländische Autoren?

Hvorecky: Die slowakischen Autoren werden in ihrer Heimat viel mehr gelesen als vor zehn Jahren. Der Trend ist sehr positiv. Nur sind wir noch immer keine Lesenation. Das braucht Zeit.

Mit welchen Schwierigkeiten kämpft der slowakische Literaturbetrieb?

Hvorecky: Die Bücher verkaufen sich sehr gut, vor allem vor Weihnachten. Nur gibt es viel zu viele Distributoren und Buchhändler mit schlechter Zahlungsmoral. Damit verlieren wir alle, die in dieser Branche arbeiten.

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Kulturführer Mitteleuropa

Am 13. Juni 2013 um 18 Uhr lädt das Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) zur öffentlichen Präsentation des neuen IDM Kulturführers Mitteleuropa im burnLAB Vienna, Neubaugasse 44.

Das Team des Kulturführers hat sich auf die Suche nach Räumen und Orten begeben, die verschiedene kreative Sparten, künstlerische Konzepte und Menschen verbinden. Ob lebendige Museumsquartiere, alternative Kulturzentren oder Coworking-Spaces für junge Unternehmer: Der Kulturführer 2013 legt einen Fokus auf die neuen kreativen Orte in Mitteleuropa und im Donauraum und zeigt, wie etwa verlassene Fabriken, leerstehende Büros und ungenutzte öffentliche Räume mit viel Engagement und Erfindergeist wieder zum Leben erweckt werden.

Obrázok

Nach der Präsentation geht es um 18:30 Uhr mit einer Podiumsdiskussion weiter. „Kreative Räume: Kultur vs. Kommerz?“, darüber diskutieren auf dem Podium Dr. Erhard Busek (Vorstandsvorsitzender des IDM), Dr. Márton Méhes (Direktor des Collegium Hungaricum in Wien), Michal Hvorecky (Schriftsteller aus Bratislava) sowie ein Vertreter der Plattform creativwirtschaft.at. Motorpitch, bekannt als FM4 DJ, legt im Anschluss ab 19:30 Uhr im burnLAB auf. 



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