Stavarič bekommt Chamisso-Preis

Michael Stavarič erhält den mit 15.000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis 2012. Mit seinem bisherigen Gesamtwerk, vor allem mit seinem jüngsten Roman Brenntage, habe Michael Stavarič die deutschsprachige Gegenwartsprosa auf sprachlich originelle Weise bereichert, so die Jury. Die Auszeichnungen werden am 1. März 2012 in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz verliehen.

Mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ehrt die Robert Bosch Stiftung seit 1985 herausragende literarische Leistungen in deutscher Sprache, verfasst von Autoren, deren Muttersprache oder kulturelle Herkunft nicht die deutsche ist.

Stavarič übersetzt aus dem Tschechischen, Tod auf der Donau von Michal Hvorecky ist seine erste Übersetzung aus dem Slowakischen.

Eine Räuberjugend

Selma Steiner habe ich als 18-Jähriger in der Ventúrska-Gasse in Bratislava kennengelernt. Ich war damals schon ein begeisterter Leser, doch neue Bücher waren mir als Maturanten zu teuer. In der wiedereröffneten Buchhandlung der Familie Steiner entdeckte ich eine Kollektion von alten und neuen Werken, die mir den Atem raubte.

Ich habe inzwischen sicher mehr als 200 Bücher in dem winzigen Laden gekauft. Frau Steiner hat jeden Besucher persönlich begrüßt und nach Lesewünschen gefragt. Das war und ist leider bis heute nicht besonders üblich in meiner Stadt, wo die meisten Kellner und Verkäufer ziemlich dreist und unfreundlich sind, sicher eine Folge der sozialistischen Arbeitsmoral.

Als ich später eigene Bücher veröffentlichte, habe ich oft mit ihr gesprochen. Sie war immer humorvoll, elegant, sympathisch. Und eine große Leserin. Sie las alles, was sie in die Finger bekam, und sympathisierte vorurteilslos mit den jungen Dichtern. Gerne habe ich mit ihr gestritten, ob Arthur Schnitzler mehr Prosa oder mehr Theatertexte hätte schreiben sollen oder welches Gedicht von Hölderlin das schönste ist. Viele Autoren und Romane oder Erzählbände habe ich dank ihrer entdeckt.

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Die slowakischen Lügen über Václav Havel

Václav Havel hatte es nie einfach in der Slowakei. Im tschechischen Teil der Republik war er eine Art Statussymbol der Opposition, doch in der Slowakei blieb er lange fast unbekannt. Auch vor dem strengen Verbot wurden seine kritischen Theaterstücke auf unseren Bühnen kaum inszeniert. Seine wichtigen politischen Essays aus den Siebzigerjahren, die nur noch im Samizdat veröffentlicht werden durften, gab es nur in einzelnen Exemplaren im Osten des Landes, und die slowakischen Geheimagenten kannten sie viel besser als die Intellektuellen.

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Tod auf der Donau

Hundert Senioren auf einem Kreuzfahrtschiff zu bändigen, ist keine leichte Aufgabe. Vor allem dann nicht, wenn man nebenbei zwei Leichen entsorgen und seine Ex-Freundin verstecken muss. Michal Hvoreckys neuer Roman ist ein wilder Ritt über die Donau, von Regensburg bis ans Schwarze Meer.

Eigentlich ist Martin Roy Übersetzer. Eigentlich. Denn dazu kommt er nicht als Reiseleiter einer Donau-Kreuzfahrt, in deren Verlauf so gut wie alles schiefgeht. Michal Hvorecky verknüpft in seinem grotesken Ship-Movie die Geschichte Mitteleuropas mit persönlichen Schicksalen (und seinen eigenen Erlebnissen als Reisebegleiter). Dabei zeichnet er das Bild einer Generation, die wie Nomaden durch die Länder zieht, auf der Suche nach dem besten Job, der Erfüllung im Leben und so etwas wie Heimat. »Tod auf der Donau« ist deshalb vieles auf einmal: Abenteuerroman, Liebesgeschichte und Satire auf die Auswüchse des Tourismus. Und nicht zuletzt eine Liebeserklärung an die Donau.

Der neue Roman Tod auf der Donau von Michal Hvorecky in der Übersetzung von Michael Stavaričerscheint im Frühjahr 2012  bei Tropen/Klett-Cotta.

Gedenkort Turnertempel

In Wien wird ein neues Mahnmal an die nationalsozialistische Vergangenheit erinnern: In Rudolfsheim-Fünfhaus wird auf dem Areal des 1938 zerstörten Turnertempels ein zeitgemäßer Gedenkort am 10. November 2011  um 16:00 eröffnet. Treffpunkt: Ecke Dingelstedtgasse/Turnergasse.

Begleitveranstaltung: 9. November, Wien, Brick 5, Herklotzgasse 21, um 19 Uhr, Lesung und Gespräch mit Maribel Königer (Erste Stiftung), mit Moshe Jahoda und ZeitzeugInnen aus Israel und mit Michal Hvorecky (Schriftsteller aus Bratislava). Weitere Informationen hier.

Der Turnertempel wurde nach der Synagoge in der Seitenstettengasse und dem Leopoldstädter Tempel als drittes jüdisches Gotteshaus in Wien im Jahr 1871/72 errichtet. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der Reichskristallnacht, wurde der Tempel durch von SS-Mitgliedern geworfenen Handgranaten in Brand gesetzt und dabei völlig zerstört. Die herbeigerufene Feuerwehr sicherte den Parteibefehlen entsprechend nur die Nachbarhäuser.

In Österreich gab es nach 1945 im Unterschied zu Deutschland keinen einzigen Prozeß wegen der Niederbrennung der Synagogen.

Kakanien: Neue Republik der Dichter

Buchpräsentation Kakanien: Neue Republik der Dichter und Autorengespräch mit Doron Rabinovici, Radek Knapp und Michal Hvorecky. Am 22. November 2012 im Burgtheater in Wien im Pausenfoyer um 20:00 Uhr.

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