Ich wurde 1976 in Bratislava in der ČSSR geboren und gehöre damit zur Generation der sogenannten „Husák-Kinder“. Wir waren die tschechoslowakische Variante der amerikanischen Baby- Boomer, und Husák der letzte Präsident der sozialistischen Tschechoslowakei. Als sich der Staat am 1. Januar 1993 teilte, war ich strikt dagegen. Mein Bruder, meine Eltern und die Freunde ebenso.

Doch die Meinung eines 16-jährigen Halbwüchsigen interessierte die Mächtigen nicht. Dabei war meine Minderjährigkeit nicht das Problem: Es gab kein Referendum über die Teilung der Republik. Wahrscheinlich, weil von vornherein feststand, dass eine Mehrheit dagegen gewesen wäre. Die Trennung meiner Heimat in zwei Staaten halte ich bis heute für einen geschmacklosen Betrug an den Bürgern und einen groben Verstoß gegen die Verfassung.
Aus heutiger Sicht bin ich jedoch froh, dass es so gekommen ist. Die Tschechoslowakei war schon vor 20 Jahren nicht mehr zu retten. Sie war eine verlorene gestrige Welt, ohne Mitte, ohne gemeinsame Idee.
Das Bemühen, sie um jeden Preis erhalten zu wollen, wäre der Rettung einer Illusion gleichgekommen. Der ganze Prozess war zudem für mich eine gute Vorbereitung auf die Praktiken, die der Mafia-Kapitalismus dann mit sich brachte und der die Tschechische und Slowakische Republik bis heute weit stärker verbindet als einst die Föderation.





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