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Schöne Blaue Donau

Was hat Michal Hvorecky nicht alles in seinen Roman „Tod auf der Donau“ gepackt. Wie aus einem unerschöpflichen Quell sprudeln seine Ideen, die dem Verlauf seiner Geschichte immer wieder eine neue Wendung geben.

Die literarischen Genres wechseln fast schon im Seitentakt. Der Leser purzelt nur so hin und her. Gerade war er noch von der satirisch grotesken Szenerie schmunzelnd amüsiert, befindet er sich sogleich in einem Liebesroman, gefolgt von einer Leiche im Unterdeck, die natürlich sofort auf Agatha Christies klassischen Krimi vom „Tod auf dem Nil“ anspielt.

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Tod auf der Donau. Rezension

Duna. Dunaj. Dunav. Dunărea. Nein, natürlich ist das keine Substantivdeklination einer osteuropäischen Sprache. Und doch, so ganz verkehrt liegt man mit dieser Vermutung nicht. Unter diesen Namen fließt die Donau, nachdem sie Deutschland und Österreich verlassen hat, Richtung Schwarzes Meer. Zehn Länder verbindet der Strom miteinander.

In der Slowakei, in Kroatien und Serbien, in Bulgarien wie in der Ukraine ist die Donau männlich. Den Rumänen, die sie am längsten bewundern können, und für kurze Zeit auch den Moldawiern, präsentiert sich der Fluss wieder als Dame. Und in Ungarn hat sie zwischendurch sogar ihr Geschlecht verloren. Doch das liegt nur an der ungarischen Grammatik.

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Abwechslungsreicher

“Michal Hvoreckys Roman über die Kreuzfahrt amerikanischer Touristen hat viel zu bieten. Bösartiges, Heiteres, Mysteriöses, Wissenswertes.”

Eine Beschprechung im Kurier.

Tod auf der Donau

Eine Liebeserklärung an die Donau mit dem Pressburger Akzent!:)

Im Buch blättern und 40 Seiten kostenlos lesen

Tod auf der Donau

“Bis zum jähen Ende eine gelungene Balance zwischen realistischer Erzählung und satirischer Zuspitzung.”
Erwin Riess, Die Presse

“Ein faszinierender Roman über eine Reise zu sich selbst. Und eine Hommage an den Fluss, der auch viel über die europäische Geschichte erzählt.”
WDR5

“Der Roman macht große Lust die Welt der Donauländer zu entdecken.”
Bayerisches Fernsehen

“Tod auf der Donau ist eine hintersinnige Satire, die tumben Anti-Amerikanismus mit Leichtigkeit Volley nimmt.”
Jan Dress, 1 Live

„Psychogramm der modernen Arbeitswelt… Ein spannendes, mit Vergnügen zu lesendes, vor allem aber ein überaus erhellendes Buch.“
Tomas Gärtner, Dresdner Neuste Nachrichten

Hundert Senioren auf einem Kreuzfahrtschiff zu bändigen, ist keine leichte Aufgabe. Vor allem dann nicht, wenn man nebenbei zwei Leichen entsorgen und seine Ex-Freundin verstecken muss. Michal Hvoreckys neuer Roman ist ein wilder Ritt über die Donau, von Deutschland bis ans Schwarze Meer.

Eigentlich ist Martin Roy Übersetzer. Eigentlich. Denn dazu kommt er nicht als Reiseleiter einer Donau-Kreuzfahrt, in deren Verlauf so gut wie alles schiefgeht. Michal Hvorecky verknüpft in seinem grotesken Ship-Movie die Geschichte Mitteleuropas mit persönlichen Schicksalen (und seinen eigenen Erlebnissen als Reisebegleiter). Dabei zeichnet er das Bild einer Generation, die wie Nomaden durch die Länder zieht, auf der Suche nach dem besten Job, der Erfüllung im Leben und so etwas wie Heimat. »Tod auf der Donau« ist deshalb vieles auf einmal: Abenteuerroman, Liebesgeschichte und Satire auf die Auswüchse des Tourismus. Und nicht zuletzt eine Liebeserklärung an die Donau.

Der neue Roman Tod auf der Donau von Michal Hvorecky in der Übersetzung von Michael Stavarič bei Tropen/Klett-Cotta.

Im Buch blättern und 40 Seiten kostenlos lesen

Leseprobe: HTML / PDF

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“Man wurde zum Sklaven von Ratings”: Interview mit Michal Hvorecky

Wo Staunen extra kostet

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Rezension von Kolja Mensing.

Der perfekte Ort zum Geldverbrennen: Der slowakische Schriftsteller Michal Hvorecky lässt in seinem neuen Buch Eskorta die wilden Jahre des entfesselten Nachwende-Kapitalismus in Osteuropa in Form eines frivolen Schelmenstücks wiederauferstehen.

Michal war in den achtziger Jahren mit seinen Eltern aus der Tschechoslowakei nach Deutschland ausgereist. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems kehrt er zurück nach Bratislava. Auf den ersten Blick ist es die Hölle. Am Bahnhof empfängt ihn “eine Horde aufdringlicher Geldwechsler”, die Demonstranten im Stadtzentrum schwenken die Plastiktüten einer neuen Supermarktkette.

Doch es dauert nicht lange, bis Michal von den neuen Zeiten profitiert. Kurz nach seinem 23. Geburtstag entdeckt er eine Anzeige. Jungen Männern mit “sympathischem Äußeren” wird eine “gut bezahlte, zeitlich flexible Tätigkeit” in Aussicht gestellt. Michal bewirbt sich, und kurz darauf arbeitet er für den ersten Escort-Service der Stadt: “Die Welt war in Veränderung begriffen, und ich wollte dabei sein.”

Der slowakische Schriftsteller Michal Hvorecky erzählt in seinem Roman “Eskorta” die wundersame Erfolgsgeschichte eines postsozialistischen Callboys. Während Geschäftsleute aus aller Welt nach “Bratislava-Gratislava” kommen, um Investitionsverträge zu unterzeichnen und Kapital zu verbrennen, steht Michal ihren gelangweilten Ehefrauen mit erotischen Dienstleistungen zur Verfügung.

Sonderwünsche sind im Preis inbegriffen. Seine “starke Seite” ist die Kommunikation, doch zu seinen Stammkundinnen gehört auch eine Amerikanerin, die nach dem Sex vornehmlich in Mineralwasser aus der Hohen Tatra badet – und von Michal verlangt, dass er ihr dabei in einer traditionellen Tracht Gesellschaft leistet: “Ich musste vor ihren Augen wahnsinnig über Wassertoiletten und elektrischen Strom staunen.”

Hvorecky ist Jahrgang 1976, und wie viele jüngere Autoren aus Mittel- und Osteuropa neigt er dazu, seine literarischen Texte mit Theorie-Importen aus dem Westen anzureichern. So wird der Folklore-Fetisch der Amerikanerin unter der Überschrift “Postkolonialismus” verhandelt, und der aus Deutschland zurückgekehrte Erzähler selbst hadert nicht nur mit seiner nationalen und kulturellen Identität, sondern als Kind eines schwul-lesbischen Ehepaares auch noch mit seiner Geschlechterrolle.

Ein “cultural studies”-Reader ist allerdings noch lange kein Roman: Hvoreckys Debüt City: Der unwahrscheinlichste aller Orte (deutsch 2006), in dem es um die körperliche Liebe und Pornographie im Zeitalter des Internet ging, war unter dieser Art von Ballast bereits nach wenigen Seiten zusammengebrochen.

“Eskorta” ist glücklicherweise robuster gebaut. Die theoretische Frage, ob Michal mit seinem neuen Job in erster Linie “die Frau in ihm” töten will, kann man einfach ignorieren und sich stattdessen daran erfreuen, wie er sich ganz praktisch durch die Welt des globalen Finanzkapitals vögelt.

Die fiktive Lebensbeichte des charmanten Callboys und professionellen Frauenverstehers liest sich über weite Strecken wie das gutgelaunte Remake eines Michel-Houellebecq-Romans: Boomtown Bratislava verwandelt sich in den späten Neunzigerjahren in die “Metropole des mitteleuropäischen Sextourismus”, und mit jedem diskreten Zahlungseingang auf dem Konto des Begleitservices tritt die verdeckte Triebstruktur des entfesselten Kapitalismus deutlicher zutage. “Ihrer Phantasie”, verspricht die Website der Agentur, “sind keine Grenzen gesetzt.”

“Eskorta” lässt die Jahre der “totalen Ökonomie” in Form eines frivolen Schelmenstücks wiederauferstehen und ist darum genau die richtige, besinnliche Lektüre für unsere krisengeschüttelten Zeiten. Lange hält Michals hormonelle Hausse allerdings nicht an. Nach einem kurzen Höhenflug fallen seine Aktien ins Bodenlose, bis er schließlich nur noch gebucht wird, um einen Langhaar-Chihuahua zum Hundefriseur zu begleiten. Zuletzt wird er ganz aus dem Angebot der Agentur gestrichen. Doch er hat Glück.

Michal Hvorecky verordnet seinem Erzähler nach dem Crash ein emotionales Konjunkturprogramm. Der Callboy darf sich verlieben, und damit ist das kapitalistische Märchen schon fast perfekt.

Michal Hvorecky: Eskorta. Roman. Aus dem Slowakischen von Mirko Kraetsch. Tropen Verlag, Stuttgart 2009. 252 S., geb., 19,90 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z.GmbH, Frankfurt am Main.

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