Haydns Rückkehr nach Pressburg

Ich freue mich auf die Premiere: Joseph Haydn – Die wüste Insel (L’isola disabitata). Oper in zwei Teilen aus dem Jahr 1779 wurde für das kleine Schlosstheater von Eszterhasá komponiert.

Libretto von Pietro Metastasio, nach Motiven aus Robinson Crusoe von Daniel Defoe. Jetzt endlich auch in Bratislava in der Oper im Slowakischen Nationaltheater unter der Leitung des Dirigenten Andrew Parrott.

Ján Babjak (Gernando), Daniel Čapkovič (Enrico)

Die Premiere am Freitag 29. Mai 2009 findet im Rahmen des internationalen Festivals Tage der Alten Musik statt. Regie: Andrea Hlinková. Mit Ján Babjak, Terézia Kružliaková und vielen anderen. Joseph Haydns Geburtstag jährt sich am 31. Mai 2009 zum zweihundertsten Mal. Obwohl Haydns Opern zu seinen Lebzeiten sehr bekannt waren, gerieten sie später für lange Zeit in Vergessenheit. Erst in jüngerer Zeit finden diese Kleinodien wieder mehr Beachtung, nicht zuletzt durch die Initiative von Künstlern, wie Zentrum der alten Musik, das sich der historischen Aufführungspraxis verpflichtet fühlt.

„Wenn Sie erst meine Operette L’isola disabitata hören würden! Denn ich versichere, daß dergleichen Arbeit in Paris noch nicht ist  gehört worden und vielleicht ebenso wenig in Wien. Zu meinem Unglück lebe ich aber auf dem Lande…“

Mehr als 30 Jahre lebte Joseph Haydn in dem damals noch zu Ungarn gehörenden Ort Eisenstadt als Hofmusiker der Fürstenfamilie Esterházy und kam auch oft nach Pressburg.

Schon als sechsjähriger besuchte er regelmässig Johann Mathias Frankh in Hainburg an der Donau, einen entfernten Verwandten, der ihm gute musikalische Grundkenntnisse vermittelte. Gelegentliche Konzertreisen führten Haydn nach Pressburg, wo die Familie Esterházy ein Schloss in der Kapitulska Strasse besass – heute leider eine Ruine. Am 16. November 1772 war er Ehrengast beim Fest der Maria Christina von Österreich im Grassalkovich Palais. In der Stadtgalerie Bratislava ist ein großes Porträtbild Joseph Haydns zu sehen.

Auch die moderne slowakische Literatur hat einen grossen Haydnroman. Ich empfehle Dušan Šimkos Buch Esterházys Lakaj (Arco Verlag, Wuppertal, 2005), in dem sich das Schicksal von Eszterháza in einer einzigen  Julinacht des Jahres 1769 entscheidet: der junge Jude Isaak Abeles und die Sängerin Anna Zannini geraten in den Sog der sich überschlagenden Ereignisse. Nebenbei erzählt der Autor die Lebensgeschichte Haydns und erfindet jede Menge drumherum. Eine wahre Entdeckungsreise ins unbekannte Mitteleuropa.

Dušan Šimko wurde 1945 in Košice geboren, in derselben Strasse, in der Sándor Márai einst aufgewachsen war. Nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee in die Tschechoslowakei emigrierte er 1968 in die Schweiz. Prosa schreibt er hauptsächlich Slowakisch.

Der prominente slowakischer Literaturkritiker Peter Zajac schrieb in seiner Rezension des Buches: „Šimko… schreibt es als Palimpsest, als Geschriebenes über Geschriebenem – er ist kein Historiker, sondern Prosaiker, er schreibt Geschichten und keine Geschichte. Esterházys Lakai ist ein Roman des vormodernen Raum und Zeit. Die Figuren darin treten aus den Tiefen des Hintergrunds in den theatralisch erleuchteten Vordergrund, erfüllen ihre Rolle und verschmelzen mit dem Hintergrund wie einzelne Motive einer musikalischen Symphonie.“

In der deutschen Ausgabe blieb leider der Name der grossen Übersetzerin Ute Rassloff unerwähnt…

esterhazys lakai dusan simko

Haydn Explosiv. Eine europäische Karriere am Fürstenhof der Esterházy

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