Author of the Month

You spent three years with Eva Hudecová and Mark Lencho translating ‘Danube in America’. How did that process work and what you have learned from the undertaking?

Well, to put it right, two of them were translating, I was just occasionally commenting and answering their questions.  They did an awesome job. I deeply appreciate their work and passion for it. I love translating, and that’s why I also understand how difficult and demanding the job is. They both have a deep respect for my original text and a deep love of their language of origin, and always managed to find an equivalent. Through this translation, my language was enriched, and my world as well. And I had a chance to meet two wonderful people. They are my underpaid and unsung heroes.

Michal Hvorecky talks to The Missign Slate about working with translators, writing and working in Bratislava.

„Man wurde zum Sklaven von Ratings“

Ein Interview mit Michal Hvorecky über „Tod auf der Donau“.

Wie der Protagonist Ihres Romans haben auch Sie als Tourmanager auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet. Wie kamen Sie zu dem Job und was waren Ihre Erfahrungen?

Ich brauchte Geld um weiter als freier Künstler arbeiten zu können. In der Slowakei gibt es kein einziges Literaturhaus und auch die Lesungen sind nicht bezahlt. Das ist eine Arbeitssituation, die sich ein publizierter österreichischer Schriftsteller, gewöhnt an den subventionierten Literaturbetrieb, kaum noch vorstellen kann. Ein Freund von mir hat mir die Arbeit des Tour Managers emphoflen und mich auf das Donauschif mitgenommen. Es war sehr harte Arbeit, aber auch eine enorm wichtige Lebenserfahrung und Inspiration.

Welche Menschen arbeiten auf solchen Schiffen?

Eine wirklich globale Mischung. Vor allem die Tour Managers haben mich sehr überrascht. Viele Kolleginnen und Kollegen waren sehr gut ausgebildete junge Menschen aus dem östlichen Europa, die in ihren akademischen Jobs in Rumänien oder Bulgarien 200 Euro verdient haben. Stattdessen waren sie lieber mit mir am Bord. Sehr skurril war, dass uns die Firma immer wieder betont hat, unsere Intelligenz nicht zu zeigen. Man wurde zum Roboter ausgebildet und zum Sklaven von Ratings.

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Regis: From Birmingham to Bratislava

My interview with Regis about Bratislava, Subclub, Depeche Mode in 1981 and the ultimate techno drink hruškovica. In Electronic Beats.

„On my first visit to Bratislava I stayed in a hotel, which seemed more like a prison cell of the Communist Secret Police. My room actually had no bed in it! Just some strange sort of couch and a view over dark concrete blocks. My memory of the era is actually very vivid. It was acompletely different city from what it is now. Bratislava became very much a Western European capital metropolis. I’m glad that in 1998 I still saw most of the scars of the Communist regime. It was a mournful place. On the other hand, many places reminded me strongly of Birmingham, where I come from.“

Slowakische Ich-AG

„Das österreichische Fernsehen und Radio waren für uns die letzte Verbindung zum Westen. In Bratislava schauten viele Leute mehr ORF als die Österreicher selbst. Die Tschechoslowaken wussten das natürlich. Immer wenn am ORF ,Doktor Schiwago‘ oder Ähnliches lief, mussten sie auch etwas Populäres dagegenprogrammieren. Heute erscheint es lächerlich, aber so schreckliche Sendungen wie ,X-Large‘ oder die Ö3-Hitparade waren unser tägliches Brot.“

Porträt in der Zeitschrift DATUM. In Trafiken in ganz Österreich.

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Slowakei, Wendezeit und Schreiben

Aus einem E-Mail-Gespräch zwischen Michal Hvorecky und Johannes C. Hoflehner.

Johannes C. Hoflehner: Wie ist die Zusammenarbeit mit den Wiener Wortstätten entstanden – ist das Stück ein Auftragswerk der Wiener Wortstätten oder hattest Du schon die Idee für das Stück?

Michal Hvorecky: Schon lange hatte ich die Idee, mich irgendwie mit der staatlichen, nationalen, offiziellen Kultur meines Landes ironisch auseinanderzusetzen. Nach vielen Jahren war ich im Jahr 2006 der erste junge slowakische Autor, dessen Buch ins Deutsche übersetzt wurde und in Deutschland auch relativ viel Aufmerksamkeit gewonnen hat.

Deswegen war ich auf einmal im Ausland nicht nur ein unabhängiger Autor, ein Literat, sondern auch „Repräsentant der Slowakei“ und traf ganz viele Botschafter und Kulturvermittler der Slowakei in mehreren europäischen Staaten. Das war eine ziemlich bizarre und ungewöhnliche Erfahrung.

Ich habe auch viele unsere Kulturinstitutionen besucht – eine Inspiration pur. Dort arbeiten viele tolle, kluge Menschen, aber ohne Geld und mit Sparprogramm in der Krisenzeit leben sie wie im hermetisch verschlossenen Raum.

Bei Wiener Wortstätten habe ich verstanden, dass so was eigentlich eine ideale Startposition für eine Satire ist: ein Raum, eine skurrile Institution, die abgefahrene Figur des Direktors, fast kein Kulturprogramm in einer Kulturinstitution – das könnte mein erstes Theaterstück sein!

Du hast also viele Deiner neuen Erfahrungen mit den offiziellen Repräsentanten der slowakischen Kulturvermittlung in das Stück einfließen lassen. Es ist aber nicht ein Porträt eben des Wiener Slowakischen Instituts, sondern eine Verdichtung dieser Erfahrungen auf eine fiktive ausländische Einrichtung der Slowakei. Historisch sind ja auch einige Anspielungen und Geschichten in dem Stück.

Hast Du auch eigene Erfahrungen und Erlebnisse verarbeitet? Die Fluchtgeschichten z.B. oder die Erfahrungen in der Wendezeit 1989?

Ja, mein Cousin Christian, der mir sehr nah war und immer noch ist, emigrierte als 18-jähriger im März 1989 aus Bratislava nach Österreich. Mein Stück spiegelt teilweise auch seine Erfahrungen und Erlebnisse wider – mit seiner Erlaubnis. Doch der klare Unterschied ist groß – seine Familie war antikommunistisch. Sein Vater war nie in der Parteiführung, aber doch in der Philharmonie.

Nach Christians Flucht war das Ganze selbstverständlich Hauptthema unserer Familie, auch ich musste mich damit auseinandersetzen, selbstverständlich habe ich in dem Alter wenig verstanden. Es war kurz vor der Wende, das ganze Land war schon gespaltet zwischen Panik, Angst und Hoffnung oder Erwartung.

In der Figur des Direktors porträtierst Du eine „slowakische Karriere“ eines Mitglieds des politischen Kaders. Auch wir in Österreich kennen solche Wendehälse, vor allem aus einer noch etwas länger zurückliegenden Zeit, nämlich aus der Zeit nach 1945. Aber es gibt sie auch heute. Solche Lebensgeschichten werden immer noch bei uns aufgearbeitet, das ist immer noch nicht abgeschlossen.

Mit Satire und Witz ist es sehr gut, eine solche Auseinandersetzung zu beginnen, über Humor lässt sich viel vermitteln. Glaubst Du, wird diese Wendezeit in der Slowakei noch länger eine Auseinandersetzung erfahren? Nach meiner Beobachtung, steht dies ja erst am Anfang und ist noch gar nicht so sehr Thema der öffentlichen Auseinandersetzung, oder täusche ich mich?

Ich habe die Wende-Zeit sehr intensiv erlebt und ein großes Bedürfnis, diese Erfahrungen zu verarbeiten, über sie zu erzählen. Ich gehöre zur Generation, die den Start des Turbokapitalismus in Mitteleuropa intensiv erlebt hat.

Ich war 13 Jahre alt, als die Sanfte Revolution kam und damals war auf einmal alles erlaubt, gleichfalls wie vorher alles verboten wurde. Alles war erreichbar, billig, zur Verfügung: die Musik, die Drogen, die Bücher, die Reisefreiheit.

Man hatte uns in der kommunistischen Schule gelehrt, niemals Fragen zu stellen – und dann auf einmal wussten wir so viel, ohne eine Antwort zu bekommen: wir haben alles einfach selbst versucht.

Wie werden die Wendezeit und die Folgen in der slowakischen Öffentlichkeit diskutiert, die Schuld in der Zeit des Stalinismus usw.? Gibt es auch literarische Arbeiten über die Zeit?

Nach der Wende haben viele erwartet: jetzt endlich wird man alle die Romane lesen, die verboten waren und die die letzten 20 oder 40 Jahre in den Schubladen der Autorinnen und Autoren gewartet haben. So war es auch der Fall in Tschechien. Doch in der Slowakei – nichts ist passiert! Eine große Überraschung für die Literaturszene und auch wahre Enttäuschung für viele Leser.

Ich glaube mein Land, wie viele europäische Länder auch, leidet an historischer Sklerose, die hier aber besonders gefährliche Nebenwirkungen hat. Zum Beispiel behauptet unser Premierminister Robert Fico, er habe die Wende gar nicht gemerkt, so was passierte seiner Meinung nach überhaupt nicht! Und der Bischof aus Banska Bystrica sagt ohne Hemmungen, dass Josef Tiso, Präsident des faschistischen Slowakischen Staates im Zweiten Weltkrieg, ein großer Sohn der slowakischen Nation war…

Doch es gibt auch viele, die über die Vergangenheit der Slowakei ernsthaft oder ironisch schreiben, sich mit der Identität des kleinen Staates auseinandersetzen. So was braucht das Land dringend – und mehr davon!

Wie verwandt die Slowakei mit Österreich in mancher Hinsicht ist… Du hast das Stück auf Deutsch geschrieben. Das ist, finde ich, sehr erstaunlich und bewundernswert. Was sind Deine Erfahrungen damit, wie verändert sich das Schreiben durch den Wechsel der Sprache, bekommt Dein Schreiben eine neue, andere Qualität?

Mein Großvater hieß Stephan Kirchmayer und gehörte zur Minderheit der Zipser, einer heute fast vergessenen deutschsprachigen Volksgruppe aus der Nord-Slowakei. Also die deutsche Sprache war in meinem Leben ständig dabei, seit der Kindheit und vor der Wende auch als die letzte Verbindung in den Westen, besonders nach Österreich – Fernsehen, Radio…

Deutsch ist jetzt für mich fast zweite Muttersprache. Doch auf Deutsch zu schreiben – das versuche ich seit ein paar Jahren mit Artikeln für die Zeitungen. Es macht Spaß. Jetzt kam das erste Theaterstück.

Mal sehen, was noch in der Zukunft kommt. Ich habe mich bewusst in eine bestimmte Tradition gestellt und ich bin ständig auf der Suche nach dem literarischen Herkommen, nach den Hasslieben, den Wahlverwandtschaften, den Quellen, sogar nach Helden, die man neu aufstellen kann – und viele hatten auch viel mit der deutschen Sprache zu tun: Franz Kafka, Bohumil Hrabal, Egon Bondy.

Lieber Michal, ich danke Dir für das Gespräch und hoffe, wir werden es fortsetzen …