Reise ins Gewissenlose

„Ein spannender Roman, der einem den Atem raubt, um einen im nächsten Moment nachdenklich werden zu lassen. Abgesehen davon ist es wohl die größte Liebeserklärung an einen Fluss, seit Bedrich Smetanas Moldau.“

Von Emil Fadel. Die Rezension von „Tod auf der Donau“ im Octopus Magazine

Schöne Blaue Donau

Was hat Michal Hvorecky nicht alles in seinen Roman „Tod auf der Donau“ gepackt. Wie aus einem unerschöpflichen Quell sprudeln seine Ideen, die dem Verlauf seiner Geschichte immer wieder eine neue Wendung geben.

Die literarischen Genres wechseln fast schon im Seitentakt. Der Leser purzelt nur so hin und her. Gerade war er noch von der satirisch grotesken Szenerie schmunzelnd amüsiert, befindet er sich sogleich in einem Liebesroman, gefolgt von einer Leiche im Unterdeck, die natürlich sofort auf Agatha Christies klassischen Krimi vom „Tod auf dem Nil“ anspielt.

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Narrenschiff

Strenggenommen bildet sie zwar nur den zweitlängsten Strom Europas. Doch die Donau ist für das europäische Gedächtnis bis heute beides zugleich: Kulturfluss und Tor in den Osten. Nirgends ufern in unseren Breiten mehr bedeutende Metropolen, kein Fluss hat geschichtsträchtigere Orte und Zeugnisse zu bieten. Historisch kam diesem Gewässer schon in der römischen Antike die Rolle eines Limes zu, es „trennte die Zivilisation von der Barbarei, den klaren Verstand von dunklen Instinkten“, sinniert der Bratislavaer Schriftsteller in seinem nunmehr dritten Roman Tod auf der Donau, der jetzt bei Klett-Cotta in deutscher Übersetzung aus dem Slowakischen vorliegt.


Tod auf der Donau. Rezension

Duna. Dunaj. Dunav. Dunărea. Nein, natürlich ist das keine Substantivdeklination einer osteuropäischen Sprache. Und doch, so ganz verkehrt liegt man mit dieser Vermutung nicht. Unter diesen Namen fließt die Donau, nachdem sie Deutschland und Österreich verlassen hat, Richtung Schwarzes Meer. Zehn Länder verbindet der Strom miteinander.

In der Slowakei, in Kroatien und Serbien, in Bulgarien wie in der Ukraine ist die Donau männlich. Den Rumänen, die sie am längsten bewundern können, und für kurze Zeit auch den Moldawiern, präsentiert sich der Fluss wieder als Dame. Und in Ungarn hat sie zwischendurch sogar ihr Geschlecht verloren. Doch das liegt nur an der ungarischen Grammatik.

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