Wilsonstadt

Grüße aus der Hölle in der Mitte Europas: Das allerschlimmste Verbrechen in Wilsonstadt. Exklusiv als deutsche Originalausgabe, nur als E-Book. Übersetzung: Mirko Kraetsch.

1925 bringt ein anonymer Mörder im jüdischen Viertel von Wilsonstadt, dem alten Bratislava, auf brutale Weise vier Menschen um. Die Polizei ist ratlos. Ausgerechnet der alte, brutale Detektiv Aaron Food aus New York kommt zur Hilfe

Von teuflischen Verschwörern und lebenden Toten gejagt, gerät er immer tiefer in ein Straßenlabyrinth des Grauens, in dem der Satan selbst die Krieger der Finsternis zu befehligen scheint. Unversehens entbrennt ein dramatischer Wettlauf um Leben und Tod, bei dem die Beteiligten nach und nach jegliche Skrupel verlieren.

Michal Hvorecky erzählt eine Gruselgeschichte in der vergessenen europäischen Stadt, indem er gut gelaunt mit den Formen des parahistorischen Gothic Novel spielt. Er schildert, wie sich reale Ereignisse und irrationale Ängste nach dem Zerfall der Habsburger Monarchie zu einer Massenparanoia ungekannten Ausmasses ausweiten. Und zeichnet eine groteske, verlorene Welt, eine Welt, die dem Untergang geweiht ist und in der sich die Gegenwart seltsam spiegelt.

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Donaufest 2014

Ulm, 7. Juli 2014, 17 Uhr, Haus der Donau, Kronengasse 4\3

Michal Hvorecky – Geschichte im Fluss, Europa im Koffer: eine Gesprächsrunde über biographischen Erfahrungen mit der Donau. Uwe Rada spricht mit den Autoren anhand ihrer Bücher über aktuelle Debatten in ihrem Land, über ihre Fragen und ihre Hoffnungen.

Zu Zeiten des Habsburgerreichs war die Donau das blaue Band, das die verschiedenen Kronländer miteinander zur „Donaumonarchie“ verband. Ende des zwanzigsten Jahrhunderts fanden dort die jüngsten Kriege in Europa statt. Aus Nachbarn waren Feinde geworden. Dennoch gibt die Donau wieder Anlass zur Hoffnung. Für unsere Autoren aus Österreich, Kroatien, Serbien, Bosnien, Bulgarien, Polen und Deutschland ist sie sogar „der Fluss Europas“.

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Lesen, schreiben und träumen mit Schülern

Ich besuchte die Neue Mittelschule Lichtenegg. Ich las Auszüge aus meinen Werken. Ich erklärte, seit wann, warum und wie ich Erzählungen und Romane schreibe und wie eine Übersetzung in eine Fremdsprache entsteht; warum ich Prosa und Theaterstücke ins Slowakische übersetze: Werke von Thomas Mann, Robert Walser oder Dea Loher.

Meine Zuhörer waren 14 bzw. 15 Jahre alt. Viele mussten ihr Land aus politischen oder anderen Gründen verlassen. In Österreich fanden sie eine neue Heimat. Alle Klassen haben meistens aus Jugendlichen mit Migrationshintergrund bestanden, ich schätze, so siebzig Prozent. Nur sehr wenige lesen Bücher. Kein Wunder. Auch ihre Eltern lesen kaum.

Fast eine Million Österreicher kann nur unzureichend lesen (OECD-Studie). In der Slowakei ist die Situation ähnlich. Doch die Leidenschaft für Geschichten gibt’s. Deswegen habe ich den Schülern die Botschaft vermittelt:

Wenn man in der Sprache des neuen Landes, in dem man lebt, schreiben kann, sich ausdrücken kann, dann kann man mitreden und eigene Meinungen äußern: Schreibt, so viel ihr könnt! Schreiben ist lebensnotwendig. Lesen auch!

Die anschließenden Gespräche gehörten zu den Höhepunkten meines Aufenthaltes. Wir kamen ziemlich nahe. Ich erzählte auch von Ängsten und Sorgen meines Autorenlebens, hörte zu, als die Schüler ihre Geschichten mitteilten, die eigene Vergangenheit darstellten und mit der Gegenwart verglichen.

Ich klärte auf, wie unterschiedlich das Leben in Österreich und in der Slowakei ist und warum ich trotzdem in meiner Heimat bleibe, warum mir mein Land und seine Zukunft wichtig sind. Ich sagte, wie wenig Lehrer in der Slowakei verdienen (500 Euro brutto!), wie viele Junge arbeitslos sind (31 Prozent), wie schwierig es ist, sich im Literaturbetrieb durchzusetzen – ohne Förderungen.

Ich betonte, dass Schreiben trotzdem den Sinn meines Lebens bedeutet, eine unglaublich schöne und vielfältige Beschäftigung. Kein einfacher Beruf, aber ich wollte keinen anderen haben.

Das literarische Schreiben endlich ohne Zensur: Ich gehöre zur ersten Autorengeneration im Osten Europas, die eine solche Arbeitssituation genießt.

Ich wuchs in Armut, aber privilegiert auf, in einem Haus voller Bücher und mit Eltern, die viel schrieben und lasen. Ich wollte studieren, die Familie unterstützte mich. Bücherlesen war auch mein Weg zur Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache.

Lesen ist Fundament des Studiums und der Bildung. Leider wird mit den Schülern immer weniger über Literatur diskutiert. Gerade deswegen lese ich so gerne in Schulen. Ich versuche, Jugendliche zu ermutigen – zum Nachdenken und zum Träumen.

Schreibt und lest, so viel ihr könnt

Der slowakische Autor Michal Hvorecky brachte den Grundgedanken von Deutsch geht gut vor der Klasse 10 a der Realschule im Aurain auf den Punkt: „Wenn ihr in der Sprache des Landes, in dem ihr lebt, schreiben könnt, euch ausdrücken könnt, dann könnt ihr mitreden und sagen, was ihr wollt. Schreibt, so viel ihr könnt. Schreiben ist lebensnotwendig.“

Hvorecky ist einer von fünf Autoren nichtdeutscher Herkunft, die das Bietigheim-Bissinger Literaturprojekt derzeit in die Schulen bringen. Lesen Sie mehr.

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Foto: Martin Kalb

Tod auf der Donau. Rezension

Duna. Dunaj. Dunav. Dunărea. Nein, natürlich ist das keine Substantivdeklination einer osteuropäischen Sprache. Und doch, so ganz verkehrt liegt man mit dieser Vermutung nicht. Unter diesen Namen fließt die Donau, nachdem sie Deutschland und Österreich verlassen hat, Richtung Schwarzes Meer. Zehn Länder verbindet der Strom miteinander.

In der Slowakei, in Kroatien und Serbien, in Bulgarien wie in der Ukraine ist die Donau männlich. Den Rumänen, die sie am längsten bewundern können, und für kurze Zeit auch den Moldawiern, präsentiert sich der Fluss wieder als Dame. Und in Ungarn hat sie zwischendurch sogar ihr Geschlecht verloren. Doch das liegt nur an der ungarischen Grammatik.

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„Man wurde zum Sklaven von Ratings“

Ein Interview mit Michal Hvorecky über „Tod auf der Donau“.

Wie der Protagonist Ihres Romans haben auch Sie als Tourmanager auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet. Wie kamen Sie zu dem Job und was waren Ihre Erfahrungen?

Ich brauchte Geld um weiter als freier Künstler arbeiten zu können. In der Slowakei gibt es kein einziges Literaturhaus und auch die Lesungen sind nicht bezahlt. Das ist eine Arbeitssituation, die sich ein publizierter österreichischer Schriftsteller, gewöhnt an den subventionierten Literaturbetrieb, kaum noch vorstellen kann. Ein Freund von mir hat mir die Arbeit des Tour Managers emphoflen und mich auf das Donauschif mitgenommen. Es war sehr harte Arbeit, aber auch eine enorm wichtige Lebenserfahrung und Inspiration.

Welche Menschen arbeiten auf solchen Schiffen?

Eine wirklich globale Mischung. Vor allem die Tour Managers haben mich sehr überrascht. Viele Kolleginnen und Kollegen waren sehr gut ausgebildete junge Menschen aus dem östlichen Europa, die in ihren akademischen Jobs in Rumänien oder Bulgarien 200 Euro verdient haben. Stattdessen waren sie lieber mit mir am Bord. Sehr skurril war, dass uns die Firma immer wieder betont hat, unsere Intelligenz nicht zu zeigen. Man wurde zum Roboter ausgebildet und zum Sklaven von Ratings.

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