Tod auf der Donau. Rezension

Duna. Dunaj. Dunav. Dunărea. Nein, natürlich ist das keine Substantivdeklination einer osteuropäischen Sprache. Und doch, so ganz verkehrt liegt man mit dieser Vermutung nicht. Unter diesen Namen fließt die Donau, nachdem sie Deutschland und Österreich verlassen hat, Richtung Schwarzes Meer. Zehn Länder verbindet der Strom miteinander.

In der Slowakei, in Kroatien und Serbien, in Bulgarien wie in der Ukraine ist die Donau männlich. Den Rumänen, die sie am längsten bewundern können, und für kurze Zeit auch den Moldawiern, präsentiert sich der Fluss wieder als Dame. Und in Ungarn hat sie zwischendurch sogar ihr Geschlecht verloren. Doch das liegt nur an der ungarischen Grammatik.

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„Man wurde zum Sklaven von Ratings“

Ein Interview mit Michal Hvorecky über „Tod auf der Donau“.

Wie der Protagonist Ihres Romans haben auch Sie als Tourmanager auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet. Wie kamen Sie zu dem Job und was waren Ihre Erfahrungen?

Ich brauchte Geld um weiter als freier Künstler arbeiten zu können. In der Slowakei gibt es kein einziges Literaturhaus und auch die Lesungen sind nicht bezahlt. Das ist eine Arbeitssituation, die sich ein publizierter österreichischer Schriftsteller, gewöhnt an den subventionierten Literaturbetrieb, kaum noch vorstellen kann. Ein Freund von mir hat mir die Arbeit des Tour Managers emphoflen und mich auf das Donauschif mitgenommen. Es war sehr harte Arbeit, aber auch eine enorm wichtige Lebenserfahrung und Inspiration.

Welche Menschen arbeiten auf solchen Schiffen?

Eine wirklich globale Mischung. Vor allem die Tour Managers haben mich sehr überrascht. Viele Kolleginnen und Kollegen waren sehr gut ausgebildete junge Menschen aus dem östlichen Europa, die in ihren akademischen Jobs in Rumänien oder Bulgarien 200 Euro verdient haben. Stattdessen waren sie lieber mit mir am Bord. Sehr skurril war, dass uns die Firma immer wieder betont hat, unsere Intelligenz nicht zu zeigen. Man wurde zum Roboter ausgebildet und zum Sklaven von Ratings.

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Tod auf der Donau

“Bis zum jähen Ende eine gelungene Balance zwischen realistischer Erzählung und satirischer Zuspitzung.”
Erwin Riess, Die Presse

“Ein faszinierender Roman über eine Reise zu sich selbst. Und eine Hommage an den Fluss, der auch viel über die europäische Geschichte erzählt.”
WDR5

“Der Roman macht große Lust die Welt der Donauländer zu entdecken.”
Bayerisches Fernsehen

„Tod auf der Donau ist eine hintersinnige Satire, die tumben Anti-Amerikanismus mit Leichtigkeit Volley nimmt.“
Jan Dress, 1 Live

„Psychogramm der modernen Arbeitswelt… Ein spannendes, mit Vergnügen zu lesendes, vor allem aber ein überaus erhellendes Buch.“
Tomas Gärtner, Dresdner Neuste Nachrichten

Hundert Senioren auf einem Kreuzfahrtschiff zu bändigen, ist keine leichte Aufgabe. Vor allem dann nicht, wenn man nebenbei zwei Leichen entsorgen und seine Ex-Freundin verstecken muss. Michal Hvoreckys neuer Roman ist ein wilder Ritt über die Donau, von Deutschland bis ans Schwarze Meer.

Eigentlich ist Martin Roy Übersetzer. Eigentlich. Denn dazu kommt er nicht als Reiseleiter einer Donau-Kreuzfahrt, in deren Verlauf so gut wie alles schiefgeht. Michal Hvorecky verknüpft in seinem grotesken Ship-Movie die Geschichte Mitteleuropas mit persönlichen Schicksalen (und seinen eigenen Erlebnissen als Reisebegleiter). Dabei zeichnet er das Bild einer Generation, die wie Nomaden durch die Länder zieht, auf der Suche nach dem besten Job, der Erfüllung im Leben und so etwas wie Heimat. »Tod auf der Donau« ist deshalb vieles auf einmal: Abenteuerroman, Liebesgeschichte und Satire auf die Auswüchse des Tourismus. Und nicht zuletzt eine Liebeserklärung an die Donau.

Der neue Roman Tod auf der Donau von Michal Hvorecky in der Übersetzung von Michael Stavarič bei Tropen/Klett-Cotta.

Im Buch blättern und 40 Seiten kostenlos lesen

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“Man wurde zum Sklaven von Ratings”: Interview mit Michal Hvorecky

LeseHorizonte: Prag

Prags Charme und Architektur inspirierten schon Autoren wie Franz Kafka und Milan Kundera. Früher Literaturstadt schlechthin ist Prag heute vom Massentourismus geprägt.

Der bekannte französische Journalist und Schriftsteller Patrick Poivre d’Arvor taucht in der Sendung der Reihe literarischer Entdeckungsreisen in die wechselvolle tschechische Geschichte ein und liefert einen Einblick in das zeitgenössische literarische Leben dieser Museumsstadt. Mit Jáchym Topol, Václav Havel, Radka Denemarková, Jaroslav Rudiš und vielen anderen.

Arte, 8. Oktober 2009 um 22.40 Uhr, Wiederholung: 15. Oktober um 5 Uhr.

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Kafkas Schloss in der Hohen Tatra?