Eine starke Stimme für eine freie Welt

Ungebeugt in zwei Diktaturen: Die slowakische Dissidentin Agneša Kalinová ist gestorben. Nach dem Prager Frühling emigrierte sie nach München und erhob bei Radio Free Europe ihre Stimme. Nachruf für Die Welt.

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Auf der Suche nach einem Leben ohne Angst: Agneša Kalinová mit ihrem Mann und ihrer Tochter, kurz vor der Emigration in die Bundesrepublik 1978.

Was vom Aufstand übrig blieb

Als Heinrich Himmler im September 1944 Bratislava besuchte, war er schockiert. Ende August hatte es in Banska Bystrica, der fünftgrößten Stadt der Slowakei, einen militärischen Aufstand gegeben, die Waffenbrüder der Wehrmacht waren zum sowjetischen Feind übergelaufen. Und in der Hauptstadt schien sich niemand für den „totalen Krieg“ zu interessieren. Nach Berlin zurückgekehrt, zog er brutale Konsequenzen…

Zum 70. Jahrestag des antifaschistischen Aufstands. Der Schriftsteller Michal Hvorecky beklagt, dass in der Debatte um das Gedenken heute die Populisten dominieren.

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MEHR ZUM THEMA: Religiöser Fanatisimus – Kulturkampf in der Slowakei (Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 9. 7. 2014)

Mit dem Torso der Heimat weiterleben

Ich wurde 1976 in Bratislava in der ČSSR geboren und gehöre damit zur Generation der sogenannten „Husák-Kinder“. Wir waren die tschechoslowakische Variante der amerikanischen Baby- Boomer, und Husák der letzte Präsident der sozialistischen Tschechoslowakei. Als sich der Staat am 1. Januar 1993 teilte, war ich strikt dagegen. Mein Bruder, meine Eltern und die Freunde ebenso.

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Doch die Meinung eines 16-jährigen Halbwüchsigen interessierte die Mächtigen nicht. Dabei war meine Minderjährigkeit nicht das Problem: Es gab kein Referendum über die Teilung der Republik. Wahrscheinlich, weil von vornherein feststand, dass eine Mehrheit dagegen gewesen wäre. Die Trennung meiner Heimat in zwei Staaten halte ich bis heute für einen geschmacklosen Betrug an den Bürgern und einen groben Verstoß gegen die Verfassung.

Aus heutiger Sicht bin ich jedoch froh, dass es so gekommen ist. Die Tschechoslowakei war schon vor 20 Jahren nicht mehr zu retten. Sie war eine verlorene gestrige Welt, ohne Mitte, ohne gemeinsame Idee.

Das Bemühen, sie um jeden Preis erhalten zu wollen, wäre der Rettung einer Illusion gleichgekommen. Der ganze Prozess war zudem für mich eine gute Vorbereitung auf die Praktiken, die der Mafia-Kapitalismus dann mit sich brachte und der die Tschechische und Slowakische Republik bis heute weit stärker verbindet als einst die Föderation.

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Leinen Los

Am Sonntag, den 30. September 2012, war ich zur Lesung beim Literaturfestival „Leinen los“ auf dem Neusiedler See eingeladen. An vielen verschiedenen Orten auf der Welt habe ich schon aus meinen Werken vorgetragen, doch dieses Erlebnis war besonders.

Der Neusiedler See ist ein Millionen Jahre alter Steppensee, ein Symbol Pannoniens. Im Norden des österreichischen Burgenlandes und im Westen Ungarns gelegen, nur vierzig Kilometer südlich von Bratislava entfernt, ist er ein mitteleuropäisches Naturunikat. So viele Störche und so viel Schilf habe ich nur im Donaudelta gesehen und so viele Wasservogelarten nicht einmal da.

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„Man wurde zum Sklaven von Ratings“

Ein Interview mit Michal Hvorecky über „Tod auf der Donau“.

Wie der Protagonist Ihres Romans haben auch Sie als Tourmanager auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet. Wie kamen Sie zu dem Job und was waren Ihre Erfahrungen?

Ich brauchte Geld um weiter als freier Künstler arbeiten zu können. In der Slowakei gibt es kein einziges Literaturhaus und auch die Lesungen sind nicht bezahlt. Das ist eine Arbeitssituation, die sich ein publizierter österreichischer Schriftsteller, gewöhnt an den subventionierten Literaturbetrieb, kaum noch vorstellen kann. Ein Freund von mir hat mir die Arbeit des Tour Managers emphoflen und mich auf das Donauschif mitgenommen. Es war sehr harte Arbeit, aber auch eine enorm wichtige Lebenserfahrung und Inspiration.

Welche Menschen arbeiten auf solchen Schiffen?

Eine wirklich globale Mischung. Vor allem die Tour Managers haben mich sehr überrascht. Viele Kolleginnen und Kollegen waren sehr gut ausgebildete junge Menschen aus dem östlichen Europa, die in ihren akademischen Jobs in Rumänien oder Bulgarien 200 Euro verdient haben. Stattdessen waren sie lieber mit mir am Bord. Sehr skurril war, dass uns die Firma immer wieder betont hat, unsere Intelligenz nicht zu zeigen. Man wurde zum Roboter ausgebildet und zum Sklaven von Ratings.

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