Wir Kinder unterm Fernsehturm

Den Ort, an dem ich diese Zeilen schreibe, wird es in zwei Jahren offensichtlich nicht mehr geben. Ich sitze in meinem Minibüro in der Bratislavaer Továrenská ulica, der Fabrikgasse, im ehemaligen Forschungsinstitut für Kabel und Isolatoren. Diese elektrischen Drähte müssen zu Zeiten des Kommunismus echt gut erforscht gewesen sein!

Es sieht hier aus wie in einem Laboratorium des sowjetischen Konstruktivismus oder in dem Proberaum, in dem Kraftwerk ihr Album „Die Mensch-Maschine“ aufgenommen haben. Das kafkaeske Gebäude ist gähnend leer, der Projektentwickler hat es nur gekauft, um es abzureißen.

Die Wirtschaftskrise stoppte die Pläne, so zogen junge Künstler in das Objekt. Billigere Mieten lassen sich in Bratislava nicht finden – die Immobilienpreise übersteigen oft die in Wien. Beginnende Kreative in der Slowakei leben traditionell von der Hand in den Mund, und der Staat interessiert sich nicht die Bohne für sie. Von wegen Verzärtelung durch Stipendien und Kreativaufenthalte! Stattdessen die harte marktwirtschaftliche Realität des Turbokapitalismus.

Die Medien verkündeten jüngst eine Überraschung: Die Gewinnerin des internationalen Wettbewerbs zur Bebauung der Umgebung ist Zaha Hadid.

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