Was man vom Goethe Institut lernen kann

Mein erster Kontakt mit dem Goethe Institut war, als ich mich im Jahre 1991 zu einem Sprachkurs anmeldete. Ich habe auch eine Bibliothek entdeckt, die mir dem Atem raubte. Gute Bücher konnte man sich bisher an der Amerikanischen Botschaft besorgen, aber der Krieg und Bush Junior hat alles gestoppt, jedoch das „Goethe“ blieb offen, und wuchs und erweitete sich.

Im Juli 2011 hat das Goethe-Institut, eine der größten Kulturinstitutionen der Welt, 60 Jahre seiner Gründung gefeiert. Die feierliche Veranstaltung in Berlin war kein volkstümliche Event. Im musikalischen Programm hat das kultige Ensemble Modern mit einem avantgardistischen Programm koreanische und ungarische Neue Musik vorgestellt. Bei den Ansprachen erklangen nicht nur lobende Tiraden. Der tunesische Regisseur und Anführer der Jasmin-Revolution in Ostafika Fadhel Jaibi betonte, dass die Änderungen in Nordafrika nur mit der Hilfe Europas vollendet werden können. Er fordete zu einem intensiveren Kulturaustauch auf.

(1970s, Lomé, Togo: Foto © Michael Friedel)

Bei der Rekapitulation der „Goethe“ Aktivitäten habe ich mich mit bitteren Gefühlen an unsere slowakischen Kulturinstitutionen im Ausland erinnert.

In Isolation, oft unbekannt und in Medien übersehende Räumlichkeiten in Berlin, Moskau und anderswo, wo man nur für ein begrenztes Häuflein von Landsleuten kommuniziert. Alle Achtung den Ausnahmen, die sich um eine vollwertige Arbeit bemühten, jedoch das Grundproblem liegt im System. Slowakische Institutionen im Ausland sind ohne Konzeption, ohne politischen Unabhängigkeit, Qualitätsfachkenntnisse und ausreichendes Budget. Die Kulturdiplomatie ist in meiner Heimat im Grunde ein unbekannter Begriff.

Auch die Goethe-Institute machten Fehler. Mit einer Selbstironie haben sich die Mitarbeiter an die zweitklassigen bayerischen Folkloreensembles erinnert, die in den 60-Jahren als ein anerkannter Artikel zu unsinnigen Welttourneen aufbrachen. Jedoch Kultur bedeutet auch Streit, Skandale und ewiges Suchen. Seit Jahrzehnten entscheiden Sie selbst, wer die „Kulturnation“ weltweit repräsentiert in unabhängigen Fachkommissionen, zu denen Politiker keinen Zutritt haben. Akzente werden mit neuen Trends und Avantgarde gesetzt.

Bei uns ist es unvorstellbar, dass Musiker wie B-Complex, das Tanz-Ensemble Debris Company, das Theater SkRAT oder der Typograf Peter Biľak mein Land repräsentieren könnten. Der aber zu jedem Regime ja sagt, kann höchstens eine Statuengruppe auch auf der Burg bauen.

Die ungeheuerliche Entwicklung des Projekts Košice 2013 zeigt, dass der mentale Diskurs der slowakischen Kultur sich noch keine Aufklärung angeeignet hat. Während sich bei uns mit medialer Unterstützung der Konservativen die Homophobie und antieuropäisches Denken heimisch werden, unterstützt Deutschland Vielfältigkeit und Fortschritt. „Goethes“ Türen stehen in dieses Land offen in Bratislava und in den Bibliotheken in Banská Bystrica und Košice. Glückwunsch!

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