Faust & Syphilis in Pressburg

In seinem letzten grossen Roman Doktor Faustus, in der Biografie des fiktiven Komponisten Adrian Leverkühn, beschreibt Thomas Mann auch die Stadt Pressburg, heute Bratislava. Und obwohl dem Besuch nur ein Kapitel des Werkes gewidmet ist, gehört es zum Kern der Geschichte. Die Teufelsverschreibung des deutschen Tonsetzers um des künstlerischen Erfolges willen ist Manns Fassung des Faust-Mythos.

Im 19. Kapitel des Romans kommt der Komponist Leverkühn im Mai 1906 nach Pressburg. Er sucht seine Esmeralda und findet sie im Viertel Weidritz. Sie ist geschlechtskrank und warnt ihn; aber für ihn sind Liebe und Gift nun eins, er verlangt nach „dämonischer Empfängnis“. Den Namen Hetaera Esmeralda aus den Naturstudien seines Vaters verwebt er in der Folge in viele Kompositionen als Klangchiffre h e a e s.

In den folgenden Liebesakt „schein (es), daß sie alle Süßigkeit ihres Weibtums aufbot, um ihn zu entschädigen für das, was er für sie wagte.“ Das alte Stadtviertel Wiedritz war einst Mittelpunkt der Prostitution. Fünf Wochen später, nach der Rückkehr nach Leipzig, macht sich bei Adrian Syphilis bemerkbar. So viel zum Beitrag meiner Stadt zur Weltliteratur :)

„Er reiste allein, und es ist nicht mit Sicherheit zu bezeugen, ob er sein angebliches Vorhaben ausführte und von Graz nach Pressburg, möglicherweise auch von Pressburg nach Graz fuhr, oder ob er den Aufenthalt in Graz nur vorspiegelte und sich auf den Besuch von Pressburg, ungarisch Pozsony genannt, beschränkte. In ein dortiges Haus war nähmlich diejenige, deren Berührung er trug, verschlagen worden, da sie ihren vorigen Gewerbsplatz um einer Hospital-Behandlung willen hatte verlassen müssen; un an ihrer neuen Stätte machte der Getriebene sie ausfindig…

Kein Zweifel, sie erinnerte sich des flüchtigen Besuchers von damals. Ihre Annäherung, dies Streicheln seiner Wange mit dem nackten Arm, mochte der niedrig-zärtliche Azsdruck ihrer Empfänglichkeit gewesen sein für alles, was ihn von der üblichen Klientele unterschied.“

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